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/publishing

Die bunte Welt der Social Media Dienste ist verwirrend und verlockend zugleich. Schier unglaubliche Userzahlen und damit verbundene Möglichkeiten für Marketing, Vertrieb, Support und nicht zuletzt für das Recruiting. Die kontinuierliche Wiederholung dieser Zahlen brachte tausende deutscher Unternehmen dazu jetzt auch auf Facebook zu posten, zu Twittern, eigene Brandchannels auf Youtube zu broadcasten oder alles auf einmal. Und wenn man noch keine Präsenz auf eine der vielen Social Media Services hat, so sind die bunten Sharebuttons mit dem weißblauen “f”, dem zwitschernden Vögelchen und am besten einem ganzen Haufen von Bookmarkdiensten doch obligatorisch um zu zeigen; wir sind dran und wollen auch ein Stück von dem Kuchen.

Dabei kann man auch mit noch so vielen Profilen nicht über eine Tatsache hinwegtäuschen: das Mitmachweb bedeutet signifikantes Veränderungsmanagement. Unternehmen werden zu Sendern in einem Bereich den die first mover grundsätzlich für sich privat erobern. Nur selten gibt es Social Media Dienste die auch sofort den Unternehmensauftritt mit eröffnen. Man nehme nur den letzten signifikanten Social Media Hype um Googleplus, Unternehmensseiten gab es erst gut hundert Tage später. Ist ja auch klar, Social Media bedeutet Kommunikation und das geht nur wenn die User da sind. Selbstredend funktioniert das Geschäftsmodell aller Social Media Services ebenfalls nur, wenn die User mit der Währung des 21. Jahrhunderts anfangen zu zahlen, ihren Daten.

Wichtige Überlegungen die mir seit gestern auch massiv hochkommen: niemand sollte vor einem Slash irgendeines Networks gefangen bleiben!
@Jormason
Jörn Hendrik Ast

Es ist an der Zeit diesen Umgang mit den wunderbaren, bunten und ohne Frage nützlichen Diensten zu hinterfragen. Ist es ausreichend ein Unternehmensprofil hinter  einem Slash eines Anbieters zu eröffnen um damit die Grundwerte des social web Transparenz, Vernetzung und Offenheit als umgesetzt anzusehen? Ich halte es für äußerst fragwürdig ausschließlich das zu betreiben was ich als /publishing (Schrägstrich-Herausgabe) bezeichnen möchte, das Veröffentlichen der unternehmenseigenen Botschaften mit einem Profil auf der Plattform eines Drittanbieters. Fast wie selbstverständlich taucht das Facebook “f” auf Werbeplakaten, Visitenkarten und Webseiten auf oft ohne eine andere URL oder überhaupt die Vanity URL der Facebookseite. Der potentielle Kunde oder Bewerber der diesem Aufruf folgt und dann zum User und vielleicht sogar zum Fan wird, begibt sich auf eine Plattform wo er nur ein paar Klicks entfernt ganz schnell ganz woanders sein wird. Am plakativsten wird einem dieses Phänomen bei Youtube vor Augen geführt, die vorgeschlagenen Videos auf der Seitenleiste oder direkt im Player können zu völlig ungefiltertem Content führen, sei es der der Konkurrenz oder zu Trollen.

Dies ist kein Aufruf zu mehr Kontrolle seitens der Social Media Dienste sondern ein klarer Appell in Richtung aller Unternehmen: vertraut nicht einzig und allein auf das /publishing sondern gestaltet aktiv mit, werdet zu mündigen Schöpfern in den Social Media und wahrt eure Unabhängigkeit! Es ist eine bittere Pille insbesondere für diejenigen die sich um die Pflege der corporate Social Media kümmern, denn Unabhängigkeit kann nur durch ein selbstgehostetes Blog erlangt werden. Denn mit einem Blog hat man ein wichtiges Instrument in der Hand um die eigene Kommunikation unmißverständlich und vor allem unveränderbar zu gestalten. Mein Empfehlung zu einer möglichst eigenständigen Social Media Strategie soll aber nicht einzig bei dem Aufruf zum Bloggen bleiben, ich sehe im /publishing eine Art evolutionäre Entwicklung die zu einem eigenen Blog führt.

Als ich diese Woche einen Intensivworkshop vorbereitete, fiel mir ein schon etwas älteres Buch in die Hände. In dem Werk Groundswell von zwei Ex-Forrester Researchern gibt es eine sehr schöne Darstellung die meinen Punkt verdeutlicht. Es handelt sich um die Social Web Leiter die ich hier weiterentwickelt und aktualisiert habe:

Anhand dieser Nutzerleiter lässt sich sehr deutlich erkennen wie eine Art Evolution vom Social Media Konsumenten hin zu einem Schöpfer vollzogen werden kann. Nahezu jeder aktive Social Media Aficionado und Blogger den ich kenne, hat diese Entwicklung genommen. Mit dem Wissen um diese Abstufung findet man sich auch schnell zurecht in der unübersichtlichen Welt der Social Media Dienste und natürlich auch ihren Beratern. Meine Empfehlung hierzu lautet sich bewusst zu werden auf welcher Stufe man selber steht, im zweiten Schritt auch im Unternehmen den Blick schweifen zu lassen; welcher Mitarbeiter und welche Mitarbeiterin ist vielleicht schon seit Jahren aktiv als SchöpferIn in den Social Media? Oft finden sich hier wertvolle Change Agents als Hilfe für den Schritt des Experimentierens der dann ansteht, denn ich empfehle klar sich die Leiter hochzuarbeiten und eigene Erfahrungen zu sammeln. Wer bloggen lernen will kann hervorragend mit einem Tumblr-Profil anfangen und sammeln was das Zeug hält, hier und da mal ein Foto oder ein Video posten um sich dann aktiv in Blogpostings per Kommentar zu Wort zu melden. Vielleicht fällt es einem aber auch leichter direkt Loszutwittern, es geht dabei auch um die Vorlieben und nicht zuletzt was einem Spaß macht!

Ich denke die Botschaft ist klar, Social Media ist mehr als ein Profil auf einem Netzwerk. Lasst euch nicht von einem Schrägstrich einengen, es gibt einfach zuviel zu erzählen und eure Leser, Hörer, Zuschauer, Follower und Fans werden es euch danken!

In guter alter Bloggermanier möchte ich denen danken die sich diese Woche ebenfalls zu diesem Thema Gedanken gemacht haben und eine dringende Leseempfehlung für folgende Beiträge aussprechen:

Sascha Lobo auf SpOn: Eurer Internet ist nur geborgt

Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach auf Haltungsturnen.de: Die Renaissance der Blogs

Joachim Diercks auf blog.recrutainment.de: Facebook Karriereseiten sind nur geborgt

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  1. Meine re:publica 2012 Tag 1 | beginnersmind - Mai 3, 2012

    [...] “Euer Internet ist nur geborgt” aufstellte und die mich auch zu dem Begriff des /publishings inspirierten. Ein wunderbarer Abschluss war des ersten Tages war das, das Video als wird sicher [...]

  2. eAssessment, SelfAssessment & Employer Branding Blog » Blog Archive » Ein wirklich gelungenes Stück “Arbeitgebermarketing 2.0″ – der Karriereblog der Baloise Group - Mai 20, 2012

    [...] hieraus ableiten, nicht umgekehrt – Stichwort „Facebookseiten sind nur geborgt“ oder auch „Slashpublishing“. Was macht Ihr sonst so zur Arbeitgeberkommunikation im Social Web und wie spielen die [...]

  3. 12 Dinge, die Sie beachten sollten, wenn Sie eine Ausbildungs- oder Karriere-Fanpage auf Facebook planen « personalmarketing | employer branding | social media – kritisch hinterfragt | personalmarketing2null - Mai 26, 2012

    [...] entscheiden. Überlegen Sie sich gut, welche Informationen Sie posten wollen. Wenn es sich dabei nur um die 1:1 Übernahme Ihrer Pressemeldungen oder [...]

  4. Geheimnisse des Bloggens (Podcast) – ffluid - November 17, 2012

    [...] /publishing auf Social Networks und die Risiken, beginners-mind.de [...]

  5. 12 Dinge, die Sie beachten sollten, wenn Sie eine Ausbildungs- oder Karriere-Fanpage auf Facebook planen - Januar 5, 2013

    [...] entscheiden. Überlegen Sie sich gut, welche Informationen Sie posten wollen. Wenn es sich dabei nur um die 1:1 Übernahme Ihrer Pressemeldungen oder [...]

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