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Social Media Recruiting auf Usedom

Heute komme ich von einem ganz besonderen Seminar, ich habe im Auftrag des Bildungswerks der Wirtschaft auf Usedom mit zwanzig Hotelliers und Mitarbeitern ansässiger Häuser versucht die Frage zu klären, ob und wie man Social Media Recruiting für Hotel- und Gaststätten nutzen kann.

Die Frage nach dem Nutzen einer klugen Recruiting Strategie für die gesamte Region wurde mir schon auf der Hinreise mit der Bahn eingehend näher gebracht. Kaum war ich von der Anonymität des Intercity in die Usedomer Bäder Bahn entstiegen (an so malerischen Orten wie Zinnowitz und Kölpinsee vorbei), kam ich ins Gespräch mit einer jungen Auszubildenden des Fachs und mit einer alteingesessenen Insulanerin. Das Problem der Insel sei generell der Mangel an Fachkräften. Viele der jungen Leute wanderten ab nach Hamburg oder Berlin, so wie die Schwester der Auszubildenden die mich über das Inselleben aufklärte. Hinzu komme das ein akuter Mangel an Wohnraum bestehe, es sind nicht genügend Wohnungen für die benötigten Saisonarbeiter vorhanden. Die Konsequenzen seien spürbar so sagte mir die seit dreißig Jahren auf der Insel lebende Dame, so müssen viele Küchen selbst in den Saisonzeiten auf einen
Imbiss-Notbetrieb umstellen, es fehlt der Koch. Für die im Spätdienst arbeitenden Hotelfachangestellten ist ein langer Arbeitsweg nachts um drei auch schwer zu bewältigen, da fährt die Usedomer Bäder Bahn nämlich nicht mehr.

Mit diesem Vorwissen wunderte es mich nicht das viele der Seminarteilnehmer bereits eine Facebookseite betreiben und mit vierstelligen Fanzahlen auch ein respektables Wachstum verzeichnen. Hier erkennt man die Möglichkeiten die Facebook-Marketing bietet. Ganz begeistert war ich sogar von der frischgebackenen Facebook-Timeline des Hotels wo ich zu Gast war und das auch Veranstaltungsort des Seminars war. DAS Ahlbeck Hotel & Spa, von dem ich an dieser Stelle ganz voreingenommen sagen kann das ich definitiv wieder kommen werde, möge bitte von jedem von euch geliket werden. Ich sage nur fantastischer Fisch, großartiger Shiraz und ja im Spa war ich auch!

Nun ist es aber noch ein Sprung von der „regulären“ Corporate Facebookseite zur Karriereseite. Allerdings weiß ich gar nicht ob ich die sonst von mir stark vertretene Meinung für eine separate Karriereseite hier auch so geben würde. Ein Hotelbetrieb ist nicht zwingend mit einer separaten Personalabteilung ausgestattet, oft übernimmt die Rezeption zusammen mit der Direktion die Personalarbeit. Wenn dann die Rezeption und Direktionsassistenz dann auch noch die Corporate Facebook betreut, wird eine zweite Seite doch zuviel. Sowieso war das Thema Zeit wieder eine wichtige Frage. An dieser Stelle sei noch einmal auf die Ergebnisse von Dan Zarella zu der Frage wie oft auf Facebook gepostet werden sollte hingewiesen:

Was die Ideenfindung für Inhalte angeht, erinnere ich hiermit an meine Keynote auf der Social Media Recruiting Conference in Hamburg letztes Jahr. Für das Texten von guten Statusmeldungen braucht es ein klares Vorgehen, meine Lieblingsmetrik dazu ist der Dreiklang von Statusmeldungen:

  1. Kampagnenposting: regelmäßig wiederkehrende Themen, auf einen Höhepunkt zugespitztes Thema
  2. Unternehmensposting: Informationen die das Unternehmen betreffen, Statements statt Pressemeldungen, den Fans Einblicke ins Unternehmen geben.
  3. Engagementposting: Feiern Sie Ihre Fans! Ehrlich gemeintes Lob verteilen! Gerne mit persönlicher Note (Teamfoto), enthält kollaborative Elemente (Gewinnspiele, Ratespiele, Bitte um Kommentare der Fans)

Für die großen Fragen um Demographie und den Arbeitsmarkt einer ganzen Region habe ich keine Dreiklang parat, aber im Sinne eines fluiden Ansatzes würde ich hier empfehlen Grenzübergreifend zu denken:

  • Für die Zweiländerinsel (Usedom hat einen deutschen sowie polnischen Teil im Osten) könnte man Konzepte entwickeln den Austausch zu erhöhen. Sprachkurse für polnisches Fachkräfte, auch Wohnraum auf der polnischen Seite nutzen.
  • Thema Mobilität: warum versucht man nicht eine Carsharing Konzept von Cambio auf der Insel einzuführen. Die gebeutelten Nachtschichtler würden die neugewonnene Mobilität sicher sehr zu schätzen wissen.
  • Auch wenn es erst einmal sehr banal klingt, aber warum schafft man nicht mehr mobilen Wohnraum mit modernen Wohneinheiten auf Rädern?

Mir hat dieses Seminar auf der schönen Ostseeinsel nicht nur Horizonte geöffnet über den Tellerrand des Social Media Recruiting hinaus zu schauen, sondern natürlich habe ich mich in die Bäderarchitektur in Ahlbeck verliebt. Usedom, ich komme wieder!

8 Responses to “Social Media Recruiting auf Usedom”

  1. Manja Heinath
    März 15, 2012 at 12:45 pm #

    Eine sehr gelungene Zusammenfassung – von allem! Ich freu mich auf eine Fortführung/Vertiefung:-) Bis dahin erfolgreiche Tage!

    • admin
      März 15, 2012 at 1:19 pm #

      Vielen Dank liebe Frau Heinath, ich mich auch! :)

  2. Markus Blättermann
    März 15, 2012 at 9:12 pm #

    Es waren für mich einige interessante Informationen dabei. Insbesondere die weitere Sensibilisierung für ein Vorausdenken und das Verstehen von natürlichen Interaktionen, deren Entstehung und der daraus resultierende Nutzen. Sie haben mich auch dazu inspiriert bei der Konzeptionierung eine Hotelseite noch zusätzliche Möglichkeiten zu nutzen, damit die Seite nicht nur zum Aushängeschild wird, sondern auch lebt. Vielen Dank!

    Würden Sie zu einige Quellen zu Social Media besonders empfehlen? Nutze derzeit fast ausschließlich Futurebiz.

    Moment … da war doch auch von SM und “Du” die rede .. beim nächsten Mal

    • admin
      März 17, 2012 at 5:46 pm #

      Vielen Dank Herr Blättermann für ihr Feedback, es freut mich das Ihnen das Seminar geholfen hat! Ich halte Sie sehr gerne via Emailnewsletter sowie natürlich auf meinen Social Media Präsenzen auf dem Laufenden!

      Das nächste Seminar kommt bestimmt! (:
      Bis dahin!

  3. Sylvia Neu
    März 16, 2012 at 8:53 am #

    Hallo Herr Ast,
    wow, das sind ja ganz viele Ideen auf einmal. Ich treffe mich am 4. April mit dem DEHOGA und nehme alle diese Ideen mit. Haben Sie schon mal auf die Webseite http://www.arbeiten-am-meer.de geschaut? Vielleicht ist das eine gute Möglichkeit, dass die Hotels gemeinsam ins Rekruiting gehen, also nicht nur – car sharing, sondern time sharing praktizieren – und einen Blog für Azubis entwicklen. Wir sollten da gemeinsam etwas für den 26. April vorbereiten! Ich bin auch gespannt auf Ihr Workshop-Angebot für die Mecklenburgische Seenplatte – das ist es ganz anders schön!

    liebe Grüße
    Sylvia Neu

    • admin
      März 21, 2012 at 1:38 pm #

      Ich freue mich sehr auf die künftige Zusammenarbeit! Mehr dazu ganz bestimmt auch hier! :)

  4. Tim Verhoeven
    März 17, 2012 at 9:42 am #

    Toller Artikel. Besonders, da ich ein Usedom-Fan bin. Wobei ich auch der Meinung bin, dass die beste Vermarktung nichts hilft, wenn nicht auch eine gewisse Infrastruktur (abseits der Hotellandschaft) existiert.

    Ging es in dem Semnar mehr darum Einzellösungen zu erarbeiten für die Teilnehmer oder ging es eher in Richtung “Vermarktung einer Region” ?

    Beste Grüße

    Tim

    • admin
      März 17, 2012 at 5:44 pm #

      Moin Tim,
      es ging speziell um Social Media Recruiting in der Hotellerie. Die Themen um die Region Usedom sind ja eher aus der Metebene betrachtet sinnvoll, im ersten Schritt ging es in meinem Seminat um den erfolgreichen Start und die Weiterführung von Kanälen wie Facebook, YouTube, Twitter und Blogs.

      Da der Veranstalter das Bildungswerk für Wirtschaft und der Partner die Dehoga natürlich auch die Region im Auge haben, kam ich dazu mich auch diesen Themen zu stellen.
      Meine Ideen sind erst einmal in die Tüte gesprochen, allerdings habe ich z.B. gute Kontakte zu Cambio – so ein Projekt wäre schon einmal sehr hilfreich…

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