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das Facebook Identitätsproblem


Dieser Blogpost ist eine Antwort auf die guten Fragen aus dem Blogpost von Daniel Fiene und basiert auf meinen Überlegungen aus dieser Facebook Diskussion. Update: Vielen Dank Daniel für das Aufnehmen meines Postings in deinem aktuellen Artikel!
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Ich habe ein Identitätsproblem. Keine Sorge, es dreht sich nur um Facebook. Die zwischenmenschlichen Interaktionen haben in den letzten Wochen innerhalb des sozialen Netzwerks noch einmal derart Fahrt aufgenommen, dass mich eine Frage sehr stark beschäftigt: Wie nutze ich Facebook als Journalist optimal?

Bisher habe ich für mich die Regel aufgestellt, dass ich den Facebook-Freunden zumindest schon einmal die Hand geschüttelt haben muss, bevor ich sie als Kontakt bestätige.

Hinzu kommt als zweiter Faktor, dass ich über die Sendungs- und Sender-Seiten, die ich auf Facebook betreue, spannende Interaktionen erlebe. Wir erhalten von Hörern viel Feedback und auch gute Themenanregungen. (…) Selten hatte ich zuvor das Gefühl so „user generated“ oder besser „Hörer getragen“ zu senden. So eine qualitative Interaktion habe ich im Netz bislang kaum erlebt. Das möchte ich gerne auf meine komplette journalistische Arbeit übertragen — aber wie?

In seinem Journalisten-Führer empfiehlt Facebook dieses Problem mit einer eigenen Seite zu lösen. Aber irgendwie widerstrebt mir meine eigene Daniel-Fiene-Facebook-Seite zu eröffnen, auf der die Leute auf „like“ drücken können. Zu sehr klebt an dieser Funktion für mich noch die „Fan werden“-Funktion. Das gefällt mir nicht. Ich bin Journalist – und keine Boyband.

Lieber Daniel,
lass uns das doch mal mit einem Schwank pseudo-netz-soziologischer Weisheit drangehen. Ich würde behaupten das es ist nicht nur wegen deines Berufsstandes “Journalist” ist, dass du Probleme mit gewissen Profilformaten hast. Es kommt auch darauf an was für ein Typ Mensch du bist, was für eine Persönlichkeit du hast.

Ich als extrovertierter Berater habe es leicht. Meine Probleme auf Facebook mit Kontakten zu kommunizieren beschränkt sich auf dubiose Kontakte die keine Klarnamen eingeben und seltsamen YouTube Content posten. Denn sonst ist Kommunikation schon fast ein Hobby von mir und das tue ich auf Facebook mittlerweile auf drei Sprachen mit Kontakten von überall her.
Ich habe auch keine Probleme Kontakte anzunehmen die ich nicht kenne, denn hier gilt für mich das weak-ties Prinzip von Granovetter – jeder Kontakt auf Facebook stärkt mein Online Netzwerk, egal ob ich diese Kontakte persönlich kenne oder nicht.  Ich folge ja auch nicht nur Menschen auf Twitter die ich persönlich kenne, oder blockiere diese die mich nicht kennen. Einziger Zusatz den ich auf Facebook mache; ich hätte gerne einen kurzen Kommentar warum mich jemand adden will. Gleichzeitig pflege ich durch regelmäßige Mittagessen, Eventbesuche, Konferenzen, am besten durch Coworken im betahaus | hamburg und natürlich durch echte Freundschaften mein kohlenstoffliches Netzwerk.

Wer nicht so offen mit seinen Kontakten umgehen will, völlig Ok aber ich denke das ist ein Faktor gesellschaftlicher Gewöhnung. In 10 Jahren wird es diese Diskussion so nicht mehr geben- Genauso wie sich die Leute in den 70′ern wohl gewundert hätte wie offen und direkt die Emailkommunikation heute geworden ist. Statt “sehr geehrter Herr” reicht mittlerweile hinlängliche ein einfaches “Hallo”.

Eine eigene Facebook Seite finde ich sollte immer an ein Projekt geknüpft werden. Welche Geschichte willst du erzählen? Welche Informationen sollen deine Fans erhalten und in welchem Format? Bist du kreative Linkschleuder wie das behance Network? Mein Lieblingsbeispiel dazu ist die Facebookseite von Sebastian mit Raventhird. Oder machst du halt was mit Text? Hier gibt es in der Redaktion von Notizen noch einiges an Innovationsbedarf auf Facebook meiner Meinung nach.

Eigentlich müssten meine Facebook-Kontakte die Wahl haben, ob sie sich für meine Themen oder für mich privat interessieren. Die Profil-Variante würde das nicht her geben. Die Trennung zwischen Profil und Seite schon.

Da haben wir es! Es ist zwar nobel es so zu drehen das deine Leser und Kontakte die Wahl haben sollten, aber im Grunde ist doch klar das deine Senderposition hier die stärkere ist. Gerade auf Facebook kommt es bei der Aktivität deiner Kontakte darauf an was du postest und wie gesagt in welchem Story- Format. Meine Lösung dazu ist die Statusmeldungen auf Facebook selber einzuschränken und mit Listen zu arbeiten. Indem du z.B. gewisse Kontakte ausschließt (z.B. alle die du nicht persönlich getroffen hast) kannst du sehr zielgerichtet steuern wer was zu lesen kriegt. Ich finde ein Ausschließen ja doof, weil du dann deine Listen ziemlich genau im Blick haben musst, was wenn du plötzlich doch jemanden persönlich kennenlernst? Ich habe eine “inner circle” Liste wo ich z.B. Familienfotos, emotionalere Postings oder Einladungen zu persönlichen Events veröffentliche. Hier sind nur enge Freunde und enge Internetkontakte sowie meine Familie einbezogen. Und es ist erstaunlich wie selten ich diese Steuerungsmethode nutze!

Ich freue mich auf deine finale Entscheidung und hoffe du nimmst meine Facebook- Freundschaftsanfrage an!
(:

 

3 Responses to “das Facebook Identitätsproblem”

  1. Raventhird
    Mai 7, 2011 at 1:37 pm #

    Moin,

    erstmal Danke für das “kleine Feature” in Form eines Links.

    Zum Thema: Das hier diskutierte “Identitätsproblem” ist mir völlig fremd. Um es ganz profan auszudrücken: “Das ist nur Scheiß-Facebook, was hat das denn mit meiner Identität zu tun?” – Genau wie auf Twitter ‘folge’ ich dort Menschen, die interessanten Content posten oder die ich irgendwoher kenne. Manchmal lernt man die auch im RL kennen, manchmal nicht, manchmal kennt man sie erst von dort und wer zu viel Schrott von sich gibt, wird irgendwann aussortiert. Wer hier ein Identitätsproblem entdeckt, der nimmt Facebook deutlich ernster als es genommen werden sollte, würde ich sagen. Das ist jetzt auch nicht mangelnde Reflektion, aber ich würde nie meine Identität an meinen Facebook-Account knüpfen (wenn, dann eher an mein Blog, da ich dort ausführliche Gedanken pflegen kann oder eher an meinen Twitter-Account, da ich mir dort mehr die Freiheit rausnehme, zu schreiben, was und wieviel auch immer ich will).

    Eine eigene Facebookseite habe ich irgendwann mal eher eingerichtet, um mich selbst zu filtern und Links zu sammeln (zunächst auch eher für mich im Sinne von Delicious oä.). Ich finde viel guten Content aus meinem Bereich (Kunst im weitesten Sinne), will aber nicht jeden damit belästigen, zumal ich so schon phasenweise relativ viel schreibe und will es auch nicht bloggen, da ich Linksammel-/Funstückblogs zum Großteil für etwas zurückgeblieben halte (deutsche Ausnahme: Nerdcore). Da das zudem thematisch ein roter Faden ist, war eine Page dafür ideal und wie ich bemerkt habe, interessieren sich doch eine ganze Menge andere Leute auch für den Kram, den ich dort ausgrabe, so dass sich wieder berufliche Kontakte ergeben haben. Mein eigenes Profil würde ich aber niemals thematisch so eng stricken wie es viele von den Bloggern und Social Media-Leuten machen, bei denen man eher das Gefühl hat, mit professionellen Content-Maschinen verbunden zu sein statt mit echten Menschen.

    • admin
      Mai 9, 2011 at 10:00 am #

      Hehe ja genau, schöne Umschreibung! Ich sehe aber ein solches Thema auch eher im Kontext zu den Themen die meine Kunden bewegen könnten. Wenn man das weiterdenkt gibt es ja noch ganz andere Probleme. Viele Kunden die ich habe, nutzen Facebook privat und das auch nicht wirklich aktiv. Die wenigsten posten Links oder sind anderweitig aktiv mit Seiten oder ähnlichem. Wenn diese dann von Berufswegen anfangen aktiv zu werden mit einer Seite, jeden zweiten Tag konsequent posten und mit richtigen Kommunikationsstrategien da ran gehen, da gibt es dann oft Fragen die in Richtung Identifikation gehen.

      Was wenn plötzlich Bewerber oder andere Kontakte meine privates Profil sehen können oder mir gar eine Freundschaftanfrage schicken? Hier kann man entweder sagen ist doch kein Problem mach ich, oder auf keinen Fall das ist mein privates Profil. Na und bei solchen Fragen empfehle ich schon manchmal ein zweites Profil anzulegen, quasi um die Facebookkommunikation mit einem “beruflichen” Account kennen zu lernen und zu üben, wenn dann verstanden ist das Online Kontakte generell nicht weh tun wenn man einige Grundregeln betrachtet kann man ja immer noch umsatteln.

      Aber dein Punkt mit dem Menschsein, Authentisch sein finde ich absolut wichtig. Das erleichtert so einiges und macht gerade Facebook zu einem besseren Ort!
      (:

  2. Raventhird
    Mai 7, 2011 at 1:38 pm #

    (Das ist wohl der längste Kommentar, den ich jemals am iPhone schrieb.)

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