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Nachts arbeiten, auf die Twittnite gehen und hey, die Ergebnisse zählen!

Wenn es sich Christian aussuchen könnte, er würde morgens später reinkommen, denn im Grunde ist er eh nicht vor elf Uhr zu gebrauchen. Wenn es um die Karriere geht, ist es ihm wichtig etwas zu tun wo er seine Ideen umsetzen kann. Naja und Geld verdienen sollte dabei keine Nebensache bleiben. Gewohnt ehrlich und authentisch für einen Beginner berichtet Christian Rieger von seinen Vorstellungen in Sachen Karriere und in welche Richtung Unternehmen sich verändern sollten.

Christian bloggt unter blog.christianrieger.de und auf Twitter folge ich ihm schon immer, nicht nur weil ich seinen Nickname @crieger wunderbar finde. Überhaupt spielt Twitter eine große Rolle bei Christian, denn seinen jetzigen Chef Cem Basman sprach er auf Twitter an und traf ihn wenig später auch abends auf der Twittnite in Hamburg (zu Infos zu der aktuellen Twittnite, hierlang). So kam er schließlich an seinen Ausbildungsplatz! Ganz wunderbar finde ich auch Christians Forderung der Bemessung nach Ergebnissen und nicht nach Anwesenheit im Büro. Denn was macht mehr Sinn, sein Gesicht ins Büro halten um der Anwesenheitspflicht gerecht zu werden und unproduktiv sein oder die perfekt und rund abgeschlossene Präsentation vom Home Office um 23:17 rauszuschicken? Danke Christian, ich habe vieles mitgenommen aus unserem Interview!

7 Responses to “Nachts arbeiten, auf die Twittnite gehen und hey, die Ergebnisse zählen!”

  1. Ralf Appelt
    April 9, 2011 at 8:39 pm #

    Ich bin auch nicht besonders überzeugt von Leistungen die durch fixierte Arbeitszeiten gesteuert werden sollen. Allerdings finde ich interessant, dass Christian sagt es sei wichtig auf vielen Veranstaltungen präsent zu sein und sein Gesicht zu zeigen, gleichzeitig aber die Präsenz im Büro nicht so wichtig sei.

    Ich halte den physischen Kontakt von Personen weiterhin für sehr wichtig, insbesondere im Zusammenhang mit digitalen Kooperationsformen. Folgende Probleme sehe ich in diesem Zusammenhang:

    Der Koordinationsaufwand für Teams ist ungleich größer, wenn jeder seine Arbeitszeit selbstbestimmt. Selbstverständlich kann man Termine machen, aber das Gespräch in der Teeküche o.ä. bleibt dadurch eher aus.
    Digital vermittelte Kommunikation funktioniert nach meiner Erfahrung deutlich besser, wenn die Beteiligten sich bereits getroffen haben und besser noch gelegentlich treffen.
    Ich kann mich an Zeiten erinnern zu denen ich eine ähnliche Einstellung zu den Zeitfenstern hatte in denen ich meinem Arbeitgeber zur Verfügung stehen kann/möchte. Mit einer Familie im Gepäck gestaltet sich diese Flexibilität oft ein wenig anders. Die Gefahr die Work-Life Balance zu verlieren ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen

    Das soll nicht heißen, dass ich nicht auch gerne so arbeite, allerdings habe ich mittlerweile auch die downsides dieser Arbeitsformen kennengelernt. Für einzelne, aber auch für Teams. Das drückt sich dann vielleicht noch nicht in der Qualität der Präsentation XY aus, allerdings können die “Ergebnisse” sich auch in Krankentagen, Arbeitszufriedenheit (aller), Produktivität (kann meine Kollegen während meiner Arbeitszeit erreichen) u.ä. bemessen werden.
    Modelle wie Kernarbeitszeit oder Präsenztage könnten an dieser Stelle vielleicht Konzepte darstellen die die Probleme abpuffern und trotzdem mehr Flexibilität bieten als Stechuhrgetriebene 9to5 Jobs.

    • admin
      April 10, 2011 at 6:53 pm #

      Ralf, du bekommst hiermit den “loveyoursupport” Badge verliehen für den Kommentar! Dank dir!

      Du bescheibst einen sehr wertvollen Punkt in Sachen Effizienz von Zusammenarbeit. Ich sehe alle deine benannten Punkte auch in meinem Alltag bestätigt. Es ist sehr nervtötend wenn sich die ganzen Freigeister unter den Digitalos mal wieder nicht richtig eingefangen kriegen zu einem kohlenstofflichen Termin. Meine Erfahrung im Betahaus hier in Hamburg, wo ich ja einen (Co-)Working Space habe bestätigt dies nochmal – es ist sehr wertvoll in das Gesicht des Gegenüber schauen zu können und auch die spontanen Momente mitzunehmen bei nem Bier abends.

      Ich finde die größten Probleme von festen Arbeitszeiten sind zum einen, dass die Routine (vor allem in Meetings) ein echter Kreativitätskiller sein kann und das das weit verbreitete “Loyalität durch Absitzen” – Gehabe eine perfekte Burnout Brutstätte ist (gewürzt mit den üblichen “machste nen halben Tag frei?” Kommentaren der Kollegen). Das dabei auch kein Platz für die Entwicklung des individuellen Effizienzraumes bleibt wie Christian es hier beschreibt, kann damit einhergehen.

      Lass mich deinen letzten Punkt aufnehmen und die “Präsenztage” weiterdenken. Wenn man als Geschäftsführer, Vorstand oder Personalleiter den Mut hat und den Vertrauensvorschuss für flexiblere Arbeitszeitmodelle gibt, kann das meiner Meinung nach zu einem starken Boost in Richtung Effektivität, Arbeitsatmosphärel und Loyalität führen. Warum nicht projektbezogene Arbeitszeiten schaffen wo Präsenztage klar formuliert sind? Warum nicht sogar einen Checkup für die Mitarbeiter machen und rausfinden ob es in der der Kurve der Wunscharbeitszeiten Überschneidungen gibt die man in die Planung der Arbeitszeiten und vielleicht sogar in der Gestaltung der Arbeitsplätze einbeziehen kann?

      • Ralf Appelt
        April 10, 2011 at 7:03 pm #

        Eine ergänzung noch: Es wird ja oft von “Vertrauensarbeitszeit” o.ä. gesprochen. Das hat dann oft den Anschei, als hätte der Arbeitgeber besonders viel Vertrauen in seine Mitarbeiter, dass sie auch wirklich ihre Arbeitszeit erfüllen.
        Ich habe den Eindruck, dass in solchen Arbeitszeitmodellen die Arbeitszeiten eher über dem vereinbarten Limit liegen, weil eben nicht zu einer bestimmten Zeit “der Hammer fällt”. Also Vorsicht, es ist durchaus denkbar, dass Arbeitgeber sich somit aus der Verantwortung stehlen was z.B. die Fürsorgepflicht angeht. Stichwort Work-Life Balance. Das kann durchaus nach Hinten losgehen. Ich habe natürlich jetzt kein Datenmaterial zur Hand, um meine Behauptungen zu belegen.

        PS: Und danke für den Badge! Yeah!

        • admin
          April 11, 2011 at 7:17 pm #

          Schöner Punkt! So muss die ROWE (results only work environment) Einstellung, in Fleisch und Blut übergehen. Kein unnötiges Nachpieksen auf Arbeitgeber- und kein pflichtbewußtes sich kaputt machen auf Arbeitnehmerseite.

          Hatte zu anfang meiner Selbständigkeit auch oft ein schlechtes Gewissen wenn ich mal nicht regelmäßig erst um acht zu Hause war. Es hat etwas gedauert zu verstehen wo meine Mitte ist, fühle da immer noch etwas rein. Es fühlt sich einfach komisch an wenn die Arbeitswoche mal nur 20 Stunden hat und trotzdem soviel dabei rauskommt wie in der dreifachen Zeit.

    • Christian
      April 15, 2011 at 12:21 pm #

      Also generell Stimme ich Ralf zu, Präsenztage können durchaus förderlich und hilfreich sein. Es ist doch immer etwas anderes jemanden real vor sich zu haben. Und klar gibt es Situationen, Kunden etc. wo es erforderlich ist, dass man eine Art von 9 to 5 Präsenz hat. Doch ich denke immer da wo dies unnötig ist sollte man den Gedanken auch fallen lassen. Ein Teammeeting muss ja auch nicht zwangsläufig im Büro stattfinden auch hier geht es wieder um das Ergebnis und nicht den Akt des Zustandekommens. Genau dieser Punkt wird in meinen Augen ziemlich häufig vernachlässigt.

      • admin
        April 15, 2011 at 2:56 pm #

        …quasi aus Bequemlichkeit, oder? So á la “wir sitzen ja auch alle täglich zusammen, dann können wir noch mehr zusammensitzen!” Dabei tut ein Ortswechsel ja auch gut. Ich frage mich ja auch wie sinnvoll Meetings überhaupt sind.

        Ich zitiere an dieser Stelle mal ein paar Punkte aus dem Buch Rework von den 37signal Jungs:

        Meetings are toxic! Here’s why:
        - They’re usually about words and abstract concepts, not real things.
        - They drift off- subject easier than a Chicago cab in a snowstorm.
        - They frequently have agendas so vague that nobody is really sure of the goal

        When you think about it, the true cost of meetings is staggering. Let’s say you’re going to schedule a meeting that lasts one hour and you invite ten people to attend. That’s actually a ten-hour meeting, not a one-hour meeting. You’re trading ten hours of productivity for one hour of meeting time!

        Try sticking to these simple rules:
        - Set a timer. When it rings, meeting’s over. Period
        - invite as few people as possible
        - Always have a clear agenda
        - begin with a specific problem
        - meet at the site of the problem instead of a conference room. Point to real things and suggest real changes.
        - End with a solution and make someone responsible for implementing it.

        Großartig, oder?

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  1. Christian Rieger » Post » Zu Gast bei Beginners Mind… - April 8, 2011

    [...] gesamten Artikel gibt es hier unter der Headline: Nachts arbeiten, auf die Twittnite gehen und hey, die Ergebnisse zählen!. In diesem Sinne nochmal vielen Dank an Jörn Hendrik, großes Lob und weiterhin viel [...]

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