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How-to Blog

Nach dem intensiven und lehrreichen Seminar auf der Social Media Recruiting Conference in Wien, möchte ich hier noch einmal auf die Frage eingehen wie man denn nun am Besten anfängt zu Bloggen. Gerade für Personaler sehe ich diese Frage als sehr aktuell an, denn Blogs sind ein idealer Aggregationspunkt für die vielen anderen Social Media Aktivitäten. Zur Beantwortung der Frage wie man bloggt, denke ich gerne an meine ersten Schritte in die Welt der Blogger, der Blogosphäre zurück. Das Schönste dabei war für mich wohl das Staunen über die enorme Vielfalt und die funkensprühende Kreativität vieler Blogs. Ich war sofort angesteckt, wollte zu möglichst vielen Themen die mich interessierten schreiben, selbst einen kreativen Blog pflegen.

Da ich zu dieser Zeit wirklich wenig Ahnung hatte wie man so etwas anstellt, durchforstete ich das Netz nach Informationen. Natürlich fand ich sie auch, die typischen Einträge: seitenlange Master/ Bachelorarbeiten, umfangreiche Studien zu ganz vielen Themen nur nicht für mein direktes Problem, kryptische Foreneinträge mit Fremdwörtern die ich einmal in Wikipedia angekommen nachschlug und mich in weiteren Einträgen verlor.

Aber ich kämpfte mich durch und fing an zu Bloggen. Es hätte allerdings nicht geschadet einen Blogeintrag zu finden der die wesentlichen Punkte einmal kurz und knapp auf den Punkt bringt und eine solide Einführung bietet. Ladies and Gentlemen ich hoffe das dieser Post genau das für Sie leisten wird, ich bitte sehr um Kommentare und Feedback – dieser Post soll auch von Ihren Erfahrungen leben und wird weiter ausgebaut!

Was sind Blogs?

Die rein sachliche Frage ist relativ leicht beantwortet. Blog kommt von Weblog und das “Log” steht im Grunde für Logbuch, ein Blog ist also eine Art Tagebuch. Lisa Sonnabend nutzt in ihrer 2005 verfassten Magisterarbeit “Das Phänomen Weblogs – Beginn einer Medienrevolution” folgende Definition:

Weblogs sind Webseiten, die häufig aktualisiert werden und deren Beiträge in umgekehrter chronologischer Reihenfolge erscheinen – also die neuesten an oberster Stelle. Die Beiträge können Text, Bilder, Videos oder Audiodateien enthalten. In der Regel haben Leser die Möglichkeit, Kommentare zu den Beiträgen zu verfassen. Unter jedem Beitrag sind gewöhnlich der Name des Autors oder ein Synonym sowie das Datum und die Uhrzeit der Veröffentlichung angegeben.

Das sagt schon ziemlich viel, aber es ist nur die Oberfläche. Und was in sogut wie jedem Beitrag fehlt ist eine visuelle Präsentation davon wie Blogs überhaupt aussehen und funktionieren. Am liebsten würde ich jetzt zu Ihnen werte Leser an den Bildschirm kommen und es Ihnen persönlich zeigen, aber das Internet bietet natürlich auch dafür einen adäquaten Ersatz. Schauen Sie einmal in die folgende Prezi- Präsentation die ich für Sie erstellt habe (Vollbildmodus emfohlen):

Ich hoffe dieser kleine Flug in das innerste eines Blogs hat Ihnen geholfen! Immanent wichtig ist in meinen Augen tatsächlich die Kommentar- und Linkfunktion. Blogs sind sprechende Internetseiten, verlinken heißt hier nicht einfach einen Link in einen Kommentar oder in die Blogroll einzufügen, sondern während der Veröffentlichung eines Blogpostings schon Links an andere Blogger zu senden. Entweder weil der Beitrag Postings anderer Blogger zitiert oder weil er für den anderen Blogger interessant sein könnte. Dieses Zitieren nennt man Trackback- Link und einmal abgeschickt geht dann im Dashboard des anderen Bloggers (hinter den Kulissen des Blogs) ein Pingback ein, also quasi eine Bitte um Bestätigung des Links. Eine derartiges Vorgehen führt zu einer engen Vernetzung von Blogs untereinander und erhöht so auch quasi nebenbei die Relevanz bei Suchmaschinen, die ja Backlinks als digitales Zahlungsmittel behandeln. Daher kommt auch der Spruch “Google loves Blogs”.

Die Technik hinter den Blogs

Ein Blog basiert oftmals auf einem open source Content Management System. Der Content (Bilder, Videos, Text) wird bereit gestellt und aufbereitet. Eine große Entwicklergemeinde arbeitet ständig an Verbesserungen, Widgets und Plugins. Das CMS für einen Blog selbst kostet meist nichts. Was kostet ist das Hosting bei dem Provider Ihrer Wahl, ein aufwendiges Design (Themes) und die Entwicklung von Sonderlösungen (z.B. bei Shops). Schauen wir uns an welche kostenlosen open source Blog CMS es gibt:

Zusammenfassend läßt sich also sagen WordPress, Joomla! und Drupal sind die größten Blog open source Blog- CMS! Größe und Bekanntheit sind zwar nicht alles, aber diese CMS haben die größte Entwicklergemeinde, sind am stabilsten, bieten die besten Zusatzfunktionen und Anbindungen an social media Kanäle. Als Tipp zum Anfang kann ich posterous.com empfehlen:


Mit einer mail an post@posterous.com eröffnen Sie Ihren ersten Blog! Der Mailbetreff ist der Titel des Postings, der Inhalt der Mail das Posting selber. Einfacher geht’s nicht! Allerdings ist eine eigene URL nur nach Zukauf machbar. Für einen 100% eigenen Blog oder ein Unternehmensblog ist posterous.com daher eher nicht empfehlenswert.

Wer bloggt überhaupt?

Bei den teils stark technischen Themen die das Thema Blogging umgibt, könnte man die Vermutung haben, dass nur eingefleischte Techniknerds bloggen und zwar strikt über Themen wie Computer, Softwareentwicklung und die neusten Gadgets. Und das stimmt sogar, zu den weltweit größten Blogs zählen Newsportale wie Gizmodo, Mashable und Techcrunch. Diese haben immer die neusten technischen Entwicklungen im Auge, ja diese Tech- Blogger sitzen quasi auf den Schreibtischen der Marktführer. Wie weit diese Begeisterung geht zeigt dieser Artikel von Gizmodo um das “versehentlich” verlorene iPhone 4G, dass einen Linksturm in der Blogosphäre auslöste.

Tatsächlich bringen es diese Blogs auf äußerst respektable Seitenzugriffe. Im Juli 2010 hatte Mashable 7 mio Seitenzugriffe und Techcrunch folgt mit 6,5 Zugriffen. Zum Vergleich zog es auf time.com im Juli dagegen”nur” 5,4 mio Besucher.

Aber wie viele Blogs gibt es weltweit? Technorati, eine der größten Suchmaschinen für Blogs zählte in seinem Report “the state of the blogosphere” zwischen 2003 bis 2007 über 70 mio Blogs weltweit. Nach dieser Hochrechnung waren das 120.000 Blogs die täglich eröffnet wurden, also 1.4 Blogs pro Sekunde!

Aber nun zurück nach Deutschland, wie die Deutsche Blogosphäre aussieht und über was man hierzulande bloggt hat die Fachhochschule Köln letztes Jahr untersucht. In der social media Studie 2009 wurden über 350 Blogger befragt. Interessant ist schon die Aufteilung der Altersgruppen:

Zwischen 14- 19 jährige (27%) und 30-39 jährige (30%) Blogger sind am aktivsten. Die Frauenwelt ist bei dieser Studie mit 17,9% nicht so stark vertreten, dies kann ich aus eigener Erfahrung zwar nicht unterstreichen, vielleicht liegt das auch an den befragten Teilnehmern der Studie und den Themen über die diese bloggen. Schauen wir einmal drauf:

Die Techniker und Medienfreunde sind am stärksten vertreten, dass oben genannte Vorurteil scheint also auf zu gehen. Aber lassen Sie sich nicht täuschen, der Themenbereich “sonstiges” nimmt mit über 30% einen sehr großen Teilbereich ein. Ich bin mir sicher das an dieser Stelle das persönliche Tagebuch mit einem bunten allerlei an Themen gemeint ist. In einer anderen Studie von TNS Infratest von 2007 wo 82 Blogger befragt wurden, nimmt das Thema Tagebuch sogar 62% aller Themen ein. Das Tagebuch ist die Urform des Bloggens.

Denn es bloggen nicht nur Journalisten und Literaten sondern im hiergenannten Durchschnitt Jugendliche oder Mitdreißiger die sich für Medien und Technik interessieren. Die Blogosphäre ist bunt, lebhaft und steckt voller Energie. Nicht das ich mich hier zu tief in die oft geführte Debatte über die Zukunft des Journalismus einmischen möchte, die vierte Gewalt  hat es zwar in Zeiten des Web 2.0 schwerer aber wird meiner Meinung nach weiter bestand haben. Doch das sich der Blickwinkel anpassen muss und sich vielerorts auch schon angepasst hat ist klar. BBC Chef Mark Thompson hielt zu diesem Thema 2005 eine lesenwerte Rede und unterstreicht mit dieser Aussage ein wesentliches Merkmal der Blogospähre:

Finally, many of the new media are intrinsically two-way: they encourage users not just to sit back and absorb but to answer back, to engage, to create.

Die Art des Blog

Es gibt viele Versuche Blogs zu katalogisieren: Wikipedia nennt im Eintrag “Blog” in der “Typlogie von Blogs” über 20 verschiedene Arten. Von Eventblog, Fotoblog und Lawblog über Reiseblog, Technologieblog und Produktblog. Aber eine derart klare Einordnung wird der Blogosphäre nicht gerecht! Es kommt immer darauf an, was der Blogger oder das Team von Bloggern schreiben! Es kann durchaus einen Produktblog geben, der auch wunderbare Reiseberichte veröffentlicht. Oder einen Videoblog (Vlog) der sich mit Events beschäftigt. Schauen Sie sich die die deutschen Blogcharts einmal an, unter den top ten sind außer netzpolitik.org keine Blogs die sich wirklich sicher einer Kategorie oder einem Thema zuordnen lassen. Es ist vielmehr die Mischung aus einer interessanten Themenauswahl, dem Schreibstil des Bloggers oder Bloggerteams und die dadurch immer wieder durchscheinende Persönlichkeit. Je interessanter und persönlicher also der Blogcontent, desto eher werden Artikel von anderen Bloggern zitiert, von Lesern in sozialen Medien darauf verwiesen und der Blogstream abonniert.

Was macht erfolgreiche Blogs aus?

Lassen Sie Ihrem Blog Zeit zu wachsen! In 6-12 Monate bauen Sie die Leserschaft auf, ab einem Jahr kann dann ein auch exponentielles Wachstum einsetzen. Regelmäßige Postings sind Pflicht! Je nach Positionierung (privater Blog, corporate Blog, Newsportal) und Anzahl der Leser wächst der Durst nach neuen Blogpostings. Hier zählt Aktualität, wer von Conventions und Vorträgen berichten will, tut dies spätestens einen Tag danach.

Ein Geheimrezept gibt es wie eigentlich überall nicht wirklich, trotzdem ist es eine interessante Frage was in der Online Welt zu Klicks in Millionenhöhe führt. Ich denke das selbst Inhaber solch großer Blogs das nicht immer genau wissen. Es ist sicherlich eine Mischung aus einem guten Gefühl für aktuelle, heiße Themen und wie interessant und/ oder persönlich das Thema verpackt ist. Das die Bilder und Technikdetails von dem neuen iPhone 4 vor dem offiziellen Produktlaunch ein heißes und interessantes Thema sind ist klar, aber oft sind es auch die Diskussionen in den Kommentaren die einen Blogpost interessant machen. Ein gutes Beispiel dazu liefert Cem Basman’s Blog Sprechblase.de mit dem Blogposting “Social Media – des Kaisers neue Kleider”. In über 100 Kommentaren wird in zum Teil sehr hoher Qualität sehr lebendig diskutiert, dies führte sogar soweit das Michael Nordmeyer auf seinem Blog goodyworks.com seine Gedanken in einen weiteren Blogpost goß.

Das ist das Schöne an der Blogosphäre, einige wenige Worte führen so im Grunde zu sozialem Handeln. Wer sich neben dem Schreiben dann auch auf den diversen Veranstaltungen mit befreundeten Bloggern trifft und austauscht, schafft weitere Mehrwerte durch Vernetzung die über die digitale Welt hinausgeht.

Hiermit schließe ich mit dieser kleinen Einführung in die Blogosphäre und hoffe dem geneigten-noch-nicht-bloggenden Leser die Lust aufs Bloggen verstärkt zu haben, die deutschsprachige Blogosphäre freut sich über jeden Neuzuwachs!

Trackbacks/Pingbacks

  1. Leseparade No.7 | Frauke Peter - März 19, 2012

    [...] einer der besten, die ich über das Erstellen von Blogs gelesen habe. Ich habe selbst über den guten Start für das Bloggen geschrieben und spreche in unzähligen Coachings über das Thema. An Gregorys Artikel schätze ich [...]

  2. Wir brauchen starke Social Trademarks – ffluid - Juli 12, 2012

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