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große Erwartungen

Am Freitag war ich bei SinnerSchrader eingeladen, es galt Erwartungen auszutauschen. Ich habe mich sehr über die Möglichkeit gefreut bei dem Workshop dabei zu sein, hat mir doch schon die Beschreibung des vorangegangen sehr gefallen.

Bei Great Expectations geht es um den offenen Austausch zwischen Unternehmensvertretern und Studierenden. Auf die Idee gekommen sind wir in der Auseinandersetzung mit dem Thema “Digital Natives”. Wir wollten einfach wissen, “Wie ticken die eigentlich wirklich?”, und “Stimmt es überhaupt, dass Absolventen heute ganz andere Erwartungen an ihr Berufsleben und damit an ihren Arbeitgeber stellen?” (Vanessa Boysen, Leiterin HR SinnerSchrader, Quelle: HRInside.de)

Die Idee Unternehmensvertreter und Absolventen abseits von Bewerbungsgesprächen oder Rekrutierungsveranstaltungen zusammen zu bringen, kann ich nur unterstützen. In den bisher geführten Interviews habe ich immer wieder den Wunsch nach Dialog und offenem Austausch gehört. Es tut gut wenn man Erwartungen in einem offenen Raum aussprechen kann und sich das Gegenüber frei von Verpflichtungen eindenken kann.

Vanessa lud also zum zweiten Workshop wieder Absolventen und Unternehmensvertreter ein. Die Runde auf Unternehmensseite war gut gemischt, Führungskräfte aus Fachabteilungen, HR und Universitäten waren da, genauso wie Freiberufler und Geschäftsführer, also etliche Karriere- Jahre an ganz unterschiedlicher Erfahrung. Diese kamen vom Softwarehersteller CoreMedia und der Werbeagentur Grabarz und Partner, Frauke Narjes vom Career Center der Uni Hamburg moderierte den Workshop. Auf der anderen Seite waren einige Studenten der FH Lübeck und der Uni Hamburg da, sehr gefreut habe ich mich auch das Taalke und Michael mit dabei waren.

Das Thema von Great Expectations II war diesmal “Vielfalt in der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben”. Das fand ich besonders spannend, da es hier ja oftmals genannte Reibungspunkte in Werbeagenturen gibt. Einigen Gerüchten und Mythen zufolge arbeitet man in der Werbung ja immer dann wenn andere frei haben. Aber Schwarzweiß- Malerei suchte man in den Sessions vergeblich, die Atmosphäre war geprägt von einer Offenheit die eher zur Entzauberung von Mythen und Gerüchten beitrug. In der ersten Session besprachen die Gruppen Ihre Erwartungen seperat und führten diese dann anschließend zusammen. Hier ging es auf Unternehmensseite um die Reflexion der gesammelten Erfahrungen und die Absolventen gingen mit entsprechenden Anfängergeist an die Formulierung Ihrer Erwartungen heran.

Ich war auf der Unternehmensseite dabei und wir diskutierten viel über das Thema der Integration von Beruf und Familie. Gerade die Frauen der Runde erzählten wie sie es geschafft haben Familie und Karriere zu vereinbaren und die Antworten waren unterschiedlich. Planen kann man bei diesem Thema überhaupt nichts, man steht ständig vor der Herausforderung die Optionen Babysitter, Nanny und Unterstützung durch Familie und Freunde zu koordinieren. Die Erfahrung war aber auch, dass sich der Arbeitgeber auf verschiedene Modelle von Teilzeit und flexiblen Arbeitszeiten einließ. Eine Erfahrung war auch, dass mit steigender Verantwortung und Position die Koordination wesentlich einfacher wird, dann also wenn man einen höheren Wert für das Unternehmen hat und auch finanziell besser gestellt ist.

Eine schöne Erkenntnis war auch, das kaum einer der Anwesenden seine Karriere wirklich geplant hat, hier hat man eher die Ärmel hochgekrempelt und angepackt – Beförderungen und neue Perspektiven ergaben sich in den meisten Fällen quasi nebenbei. Mit steigender Berufserfahrung, erkennt man seinen Karriereanker und seine Schwerpunkte, so ergab sich z.B. der Schritt in die Selbständigkeit aber auch die Entscheidung zu einer beruflichen Auszeit.

Auf Seiten der Absolventen wurden die Erwartungen an das Thema Life Balance ebenfalls unterschiedlich formuliert. Als sehr spannend empfand ich die Erwartung an eine höhere Integration von Beruf und Privatleben. Warum soll man nicht eigene Projekte auch auf der Arbeit fortführen dürfen? Im Falle der IT kann doch der Austausch mit befreundeten Entwicklern oder gar die Integration von privaten Projekten sogar sehr förderlich sein. Und wie ist es mit Netzwerkveranstaltungen? Warum soll man die Kontakte zu zukünftigen Kunden und Dienstleistern die bei einem Bier geknüpft wurden nicht als Arbeitszeit anrechnen? Gerade in den kreativen Berufen läßt sich Arbeitszeit doch überhaupt nicht mehr richtig klar einordnen. Kommt mir die Goldidee nun im Zweierteam beim Ausdenken in der Agentur oder etwa beim Duschen zu Hause? Es gab sogar den klaren Ausspruch das sich die Festanstellung an der Flexibilität der Freiberuflichkeit orientieren sollte. Dejavú! Hier habe ich Timo und Taalke reden hören, genauso wie auch Michael.

Im weiteren Ablauf gab es dann eine Runde die ich als sehr authentisch und wertvoll empfand, hier konnten die Absolventen Fragen an die Unternehmensvertreter stellen. In den Antworten wurde es dann auch sehr persönlich, jeder öffnete sich, sprach von seinen Lebensumständen und erklärte getroffene Entscheidungen. Das war eine wirklich gelungene Runde und erinnerte mich an meine Vorstellung der idealen Mentorenrolle: offener Austausch mit einem berufserfahrenen Mentor der in neutraler Position ganz menschlich Rat und Unterstützung geben kann.

Da diese Runde so gut war, hätte ich mir gewünscht das das Format des Workshops mehr auf den direkten Austausch zwischen Absolventen und den Unternehmern abgestimmt worden wäre. Natürlich ist eine Moderation hilfreich, diese war auch kreativ und gut geführt – bei einigen Sessions wo die Gruppen getrennt wurden wäre ich aber am liebsten hinterher gelaufen und wäre in den direkten Austausch gegangen. Vielleicht wäre es auch eine Idee eine Mentorenschaft als Nachfolgeangebot anzubieten? In jedem Fall war Great Expectations für mich aber ein lohnenswerter Workshop und ich wünschte mir derartige Zusammentreffen würden regelmäßig und auch branchenübergreifend geführt. Es sind so wertvolle Erkenntnisse für beide Seiten möglich und der Bedarf für einen derartigen Austausch ist nicht nur meiner Meinung nach nötig:

Der Bedarf ist da, weil die Realitäten der beiden Gruppen sich normalerweise nur in einem Punkt überschneiden, nämlich im Bewerbungsgespräch. Hier ist aber keine freie Kommunikation möglich, weil beide Seiten ein sehr fokussiertes Kommunikationsziel verfolgen. Für den einen heißt dieses Ziel “Vakanz gut besetzen” und für den anderen “einen guten Arbeitsplatz bekommen”. (Vanessa Boysen, Leiterin HR SinnerSchrader, Quelle: HRInside.de)

Ich möchte dem Orga- Team von SinnerSchrader eine dickes Lob aussprechen und sage ganz herzlichen Dank liebe Vanessa für die Einladung. Das Leben der 2.0 Schlagwörter Transparenz, Offenheit und Vernetzung war hier wirklich zu spüren. Ich hoffe es wird auch ein drittes Mal zu großen Erwartungen nach Ottensen geladen, ich wäre gern wieder dabei!

3 Responses to “große Erwartungen”

  1. Vanessa
    Januar 24, 2011 at 7:35 pm #

    Ich glaube auch, dass es noch mehr Bedarf für den direkten Austausch gibt. Wir arbeiten momentan auch noch daran, eine Art Sprechstunde in Zusammenarbeit mit zwei Hochschulen einzurichten. Wir haben festgestellt, dass Absolventen manchmal nur einen unabhängigen “Berufserfahrenen” brauchen, der mal auf die Bewerbung guckt, weitere Ideen mitgeben kann, wo der Berufseinstieg sinnvoll sein könnte und ähnliche Tipps mitgeben kann.
    Für eine nächste Ausgabe von Great Expectations haben wir auch schon eine Idee. Wenn du willst, bist du natürlich wieder herzlich eingeladen!

    • admin
      Januar 24, 2011 at 10:59 pm #

      Klasse Idee Vanessa und Danke für deinen Kommentar! Count me in, für das über die Bewerbung gucken bin ich gerne mit am Start und natürlich bei der nächsten Great Expectations! :)

Trackbacks/Pingbacks

  1. » Great Expectations auch für mich » talinee bloggt - Januar 29, 2011

    [...] ihr übrigens auf radicalmonday nachlesen und auch Jörn-Hendrik hat ebenfalls seine Eindrücke auf beginners-mind.de veröffentlicht. Ähnliche Beiträge:Über Arbeitgeber und [...]

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